Dynamische Preisgestaltung

Die gruseligen Möglichkeiten für Händler durch künstliche Intelligenz

Tolle Innovation im Pricing-Sektor

Ich bin neulich fast von der Toilette gefallen, als ich folgenden Tweet gesehen habe:

Twitterinteraktion der Airline JetBlue mit einem Kunden
Tweet der Airline Jetblue

Ein verzweifelter Kunde der Airline JetBlue, beklagt eine Preiserhöhung von $230 innerhalb eines einzelnen Tages. Er “versucht nur zu einer Beerdigung zu kommen”.
Interessant ist hier die Antwort des Unternehmens-Accounts der Airline: Man bedauere seinen Verlust und er solle seine Cookies und seinen Cache wegwerfen. Für den Veröffentlichenden des Screenshots ist das ein Eingeständnis: die Airline gibt zu die Preise basierend auf Nutzerdaten dynamisch zu gestalten.
Dynamic Pricing ist relative einfach erklärt: basierend auf gesammelten Nutzerdaten werden für Kunden individuelle Preise erstellt. Das geschieht heutzutage oft mit Technologien aus dem Machine Learning. Das Ziel ist hierbei natürlich die Gewinnoptimierung des Unternehmens. Deuten die Daten beispielsweise darauf hin, das ein Nutzer dringend zu einer Beerdigung fliegen muss, wird der Preis automatisiert hochgeschraubt. Was soll der Kunde auch machen, nicht zu Beerdigung seiner Großmutter fliegen?

Bürokratieabbau

Aber keine Sorge um solchen unmoralischen Praktiken den Riegel vorzuschieben gibt es ja Regulierungsbehörden. In den USA ist dafür die Federal Trade Commission zuständig und die werden dem ganzen Spaß sicher schnell einen Riegel vorschieben.

Nostradamus lässt grüßen
Tweet von Sarah Miller

Leider nein. Der Tweet von Sarah Miller zeigt, dass die ehemalige FTC Chefin Lina Khan das exakte JetBlue Szenario vorausgesagt hat. Deshalb hatte die FTC unter ihrer Führung auch eine Untersuchung eingeleitet. Es dürfte niemanden überraschen, dass diese Untersuchung mit dem Amtsbeginn des Trump Günstlings eingestampft wurde. Im Übrigen sollte man sich immer vor Augen führen, dass Regulierungsbehörden nicht nur zur Geißelung des Mittelstandes erschaffen wurden. Bei Bürokratieabbau mit der Kettensäge, öffnet man tollen Innovationen wie dynamischer Preisgestaltung Tür und Tor. Das heißt natürlich nicht, dass man im deutschen Staat nicht einiges an der Bürokratie verbessern muss.

Was hat KI damit zu tun?

Künstliche Intelligenz gibt den Unternehmen ganz neue Möglichkeiten um dynamisch Preise zu gestalten. Es können implizite, persönliche Informationen aus Datensätzen gewonnen werden, obwohl diese Fakten nicht explizit gesammelt wurden. Sobald ich weiß welches Einkommen, welche Sexualität, welche Krankheiten, welche Ethnie, welche Beziehungen oder welche Interessen ein Nutzer hat, lassen sich plötzlich viel effektivere Preisstrategien fahren.

  • Der extrem kurzsichtige Kunde braucht nach einem Autounfall dringendst eine neue Brille? 70% Preissteigerung
  • Schon seit 6 Monaten Arbeitslos und sie brauchen das Jobplattform24-Abo um bessere Chancen bei der Jobsuche zu haben? +20% Preissteigerung
  • Laptop Kaputt aber in einer Woche ist Abgabe der Masterarbeit? +100% Preissteigerung

Natürlich wären die Systeme irgendwann schlau genug, die Preise nur exakt so weit zu steigern, dass die Kunden nicht von ihrer Kaufentscheidung absehen. Wir können uns auf eine tolle Zukunft freuen, durch künstliche Intelligenzen, die wir alle trainiert haben, aber von der relativ wenige profitieren werden.